68° Nord
Golden hour auf den Lofoten
november 2018

Biken nördlich des Polarkreises? Zwischen Fjorden und Bergspitzen.

 

Der Regen prasselte auf das Wohnmobil ein, die Berge waren von dicken, grauen Wolken umhüllt. In dem kleinen Tal, in dem ich mein Lager aufgeschlagen hatte, stand der Nebel.

90% Regenwahrscheinlichkeit stand auf dem Display meines Handys. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gab für den Abend - nur 50% Regen versprach das Handy. Vielleicht die einzige Chance, den kleinen Trail auf dem Bergkamm gegenüber zu erkunden?!

Der Mittag im Wohnmobil zog sich in die Länge - in Gedanken war ich schon auf längst auf meinem Bike. 

Immer wieder blickte ich aus dem Fenster und konnte mir kaum vorstellen, dass sich das Wetter noch ändern konnte. Ein bisschen verschlafen ließ ich meinen Kopf wieder gegen das Polster fallen.

Ein weiterer Blick nach draussen verriet, dass sich das Wetter änderte und die Wolken anfingen sich aufzulösen.

 

Ich war direkt hellwach. Wie lang sollte das Wetter so bleiben? War der Trail fahrbar? Aufgeregt fing ich an, meine Sachen für die Tour zu packen. Hatte ich an alles gedacht?! Schnell füllte ich noch die Wasserflasche auf und dann ging es raus in die Natur.

An Fahren war beim Aufstieg nicht zu denken. In unwegsamen Gelände ging es senkrecht den Berg hoch. Trailforks bezifferte den Aufstieg mit 400hm auf 1,3 km Länge. Eine steile Angelegenheit. Den Blick immer nach oben gerichtet, schulterte ich mein Bike und kletterte über einige Felsen. Aufgeschreckt durch meine Tritte schauten mich ein paar Schafe fragend an und liefen schnell hinter den nächsten Hügel. Die Vorfreude auf die bevorstehende Abfahrt und die Aussicht vom Gipfel gaben mir Energie für die letzen Meter. Noch eine steile Rampe, dann war ich endlich oben.

 

Mit einem dicken Grinsen im Gesicht stand ich auf dem Gipfel des Berges und schaute ins Weite.

Eine Aussicht, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Der Himmel war beinahe völlig von Wolken befreit und die Sonne tauchte die ganze Landschaft in ein goldenes Licht. Wahnsinn!

Auf der anderen Bergseite offenbarte sich mir ein weiterer Pfad, der über ein kleines Plateau ins Tal führte. „Da muss ich runter!“ schoss es durch meinen Kopf. Einen Schluck trinken, die Brille aufgesetzt und los! Kleine Kurven und von der Natur geformte Sprünge liessen mich den nordischen Flow spüren. Wohlgemerkt handelte es sich bei dem Pfad nicht um einen von Menschenhand gebauten Biketrail, sondern vielmehr um einen von flauschigen Schafen geformten Trampelpfad.

Mein Blick glitt immer wieder ins Tal - trotz der nur 14 Grad spürte ich die warmen Sonnenstrahlen. Bei so einem einzigartigen Panorama ist es eine Herausforderung, sich noch ausreichend auf die Abfahrt konzentrieren zu können. Ich blieb stehen, hielt einen Atemzug inne und genoss den Moment.

 

Das Warten der letzen Tage hatte sich gelohnt. Was ein Gefühl.

Text & Fotos: Felix Weber